Der Lebenszyklus und seine Übergänge

Besondere Ereignisse im Leben verdienen eine besondere Zeremonie. Es sind vor allem die sogenannten Übergänge im Leben. Diese Stationen durchlaufen viele Menschen im Laufe ihres Lebens:

Geburt

  1. Hintergrund: Die Geburt wird als Übergang von der spirituellen Welt in die physische Welt betrachtet. Schamanen führen Zeremonien durch, um die Schutzgeister des Neugeborenen zu rufen, Glück zu wünschen und das Kind in die Gemeinschaft zu integrieren.

  2. Rituale: Namensgebungs-Zeremonien, Reinigungsrituale, Anrufung von Schutzgeistern, Segnungen für das Neugeborene und die Familie.

Pubertät und Initiation

  1. Hintergrund: Der Übergang von der Kindheit zur Erwachsenenzeit bedeutet oft einen großen Bewusstseinssprung und ist mit persönlicher Reifung  verbunden. Initiationsriten sollen dem Einzelnen helfen, seine Rolle in der Gemeinschaft zu verstehen und spirituelle Kräfte zu entdecken.

  2. Rituale: Visionssuchen, Isolation in der Natur, Prüfungen, in denen der Initiant seine Stärke und Weisheit unter Beweis stellen muss.

Hochzeit/Eheleite:

  1. Hintergrund: Hochzeiten werden nicht nur als soziale, sondern auch als spirituelle Vereinigungen betrachtet. Schamanen führen Rituale durch, um die Segnung der Verbindung durch die spirituellen Kräfte sicherzustellen.

  2. Rituale: Austausch von Gelübden, Segnungen durch Schamanen, Zeremonien zur Vereinigung von männlichen und weiblichen Energien, Anrufung von Fruchtbarkeits- und Liebesgöttinnen oder -göttern.

Elternschaft:

1. Hintergrund: Wenn das erste Kind geboren wird, übernimmt das Paar die Verantwortung für ein neues Erdenwesen. Schamanen segnen die starke Gemeinschaft der Familie.

2. Rituale: Geben und Annehmen. Zeremonien zum Stärken des Gleichgewichtes der Familie. Dankbarkeit, Kraft und Unterstützung durch Schutzgeister der Familie.

Übergang von der Mutter zu Alten Weisen:

  1. Hintergrund: Der Übergang von der Mutter zur Alten Weisen repräsentiert einen bedeutenden Lebenszyklus. Diese Phase steht symbolisch für die Reife, Weisheit und spirituelle Fülle eines Menschen. Die Zeit des Schaffens ist vorbei. Nun beginnt die Zeit, Wissen weiterzugeben.
  2. Rituale: Reflektion des Lebens, Visionssuche allein in der Natur, Singen, Tanzen, Loslassen, was den neuen Lebenszyklus belastet. Bewusste Verbindung mit den Ahnen.

Tod und Begräbnis:

  1. Hintergrund: Der Tod wird als Übergang in die spirituelle Welt betrachtet. Schamanen spielen eine Rolle bei der Begleitung der Seele des Verstorbenen (Psychopompos) und trugen dazu bei, dass die Gemeinschaft mit den spirituellen Kräften in Frieden bleibt.

  2. Rituale: Trauerrituale, Ahnenverehrung, Reinigungsrituale für die Seele des Verstorbenen, Zeremonien zur Begleitung der Seele ins Jenseits.

Fotos: pixabay

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Übergänge zelebrieren

Menschsein bedeutet ständige Veränderung. Und Übergänge.

In allen archaischen Kulturen finden dazu Zeremonien statt. Denn die Urvölker wissen, dass solche Zeremonien dem Initianten helfen, in seinen nächsten Lebensabschnitt zu kommen. In unserer westlichen Gesellschaft wurden die Übergangs-Zeremonien auf ein Minimum reduziert, teils verwässert und einige sind völlig verschwunden.

Der erste Übergang ist der, aus der spirituellen Welt in die Materie. Im Anfang ist alles bereits enthalten. Heißt also: Wie ein Kind zur Welt kommt, legen bereits den Samen für den gesamten Lebensweg des Neuankömmlings. Schauen wir mal in die verschiedenen Übergangsbereiche hinein.

Geburt, Ankommen

Die Ankunft eines Babys ist in der Regel ein schöner Moment für Mutter, Vater und die Herkunftsfamilie, auch wenn ich hier nicht auf die Umstände der Geburt eingehen will, in den meisten Fällen unschön sind.

Nun ist der lang ersehnte Erdenbürger angekommen. Das ist doch ein wundervoller Anlass ein Fest zu feiern und ihn willkommen zu heißen. Dazu kann eine Zeremonie durchgeführt werden, in der das Kleine seinen Namen bekommt, unter dem es dieses Leben gestaltet.

Eine solche Zeremonie können die Eltern selbst durchführen oder von einem Schamanen durchführen lassen. Die Dankbarkeit und der Segen der geistigen Welt können hierbei eine große Rolle spielen.

Der Schamane wird auch die Geisthelfer und das Krafttier rufen und den neuen Erdenbürger unter dessen geistigen Schutz stellen.

Pubertät

Der Grund, warum viele Erwachsene sich auch im fortgeschrittenen Alter noch wie Pubertierende verhalten, ist das fehlende Übergangsritual vom Kind zum Erwachsenen.

Eine Menge Jugendliche suchen unbewusst nach solchen Initiationen, indem sie gefährliche Mutproben absolvieren wie U-Bahn-Surfen, Komasaufen und einiges mehr.

In der Übergangszeremonie können Elemente angeboten werden, die ebenfalls herausfordernd sind, nicht aber das Leben gefährden. Ein Beispiel ist das immer beliebter werdende Survival-Wochenende unter spiritueller Anleitung. Dabei kommen die Initianten ebenfalls an so manche Grenze, lernen dabei jedoch viel über sich selbst kennen und wecken ihre Erwachsenen-Kraft. Zusätzlich können die Jugendlichen erfahren, wo ihr Platz in der Erwachsenenwelt ist.

Eheleite / Handfasting

In der Eheleite (auch Handfasting genannt) wird das Paar vor der spirituellen Welt verbunden. Diese Verbindung ist zeitlich begrenzt und dauert entweder ein Jahr, ein Leben oder darüber hinaus. Schamanen werden vom Wunsch „über dieses Leben hinaus“ abraten, da niemand weiß, in welcher Konstellation sich das Paar in einem nächsten Leben wiederfindet.

Im kleinen oder größeren Kreis bekundet das Paar seinen Willen, sein Leben mit allen Höhen und Tiefen nun gemeinsam zu gehen. Eine Zeremonie beinhaltet den Segen der geistigen Welt aber auch den Hinweis, welche natürlichen Aufgaben der weibliche und der männliche Part in der Beziehung hat.

Hat ein Paar sich nur für ein Jahr das Eheversprechen gegeben, kann es das Versprechen nach diesem Jahr selbstverständlich erneuern. Oder die Verbindung komplikationslos auflösen.

Elternschaft

Der nächste gravierende Lebensabschnitt im Leben eines Menschen ist die Elternschaft. Das Paar übernimmt nun die Verantwortung für einen neuen Erdenbürger. In einer Zeremonie kann dieser Lebensabschnitt unterstützt werden. Dankbarkeit, die Anrufung von geistigen Helfern und Erdung wären Bestandteile dieser Zeremonie.

Es gäbe vermutlich sehr viel weniger sogenannter Helikopter-Eltern, wenn die Elternschaft bewusst in einer Zeremonie angenommen wird. Hierbei kann das Urvertrauen in die eigenen elterlichen Fähigkeiten und in das Kind gestärkt werden. Das Umsorgen des Kindes wird zwar immer noch sehr ernst genommen, doch erfährt die Elternschaft auch eine neue Leichtigkeit und Kraft. Denn die überbordende und erdrückende Angst darf verschwinden bzw. sich in neue Qualitäten umformen. Auch Alleinerziehende können eine Elternschaft-Zeremonie durchführen.

Weisheit

Dies ist der Lebensabschnitt, in dem bei vielen Menschen der „Jugendwahn“ nochmal durchbricht oder eine tiefe Depression angesichts der grauen Haare und einiger Falten im Gesicht. Denn Alter wird in unserer westlichen Gesellschaft mit Gebrechlichkeit, Inkontinenz und Alzheimer gleichgesetzt.

In einer Zeremonie kann dieser Übergang als wunderbare Erfahrung erlebt werden. Als das, was es ist: Einen weiteren wertvollen Abschnitt auf unserer einzigartigen Lebensreise.

Der Mensch, der diesen Übergang bewusst gestaltet, erlebt Dankbarkeit für alles, was er erlebt und durchlebt hat. Er erfährt in der Zeremonie, wie wichtig seine lichtvollen Momente und die dunklen Phasen seines Lebens waren. Er kann Altes gehen lassen, um mit leichterem Gepäck weiterzuziehen. In der Zeremonie wird auch die Weitergabe seines Wissens und die Weisheit des Herzens eine Rolle spielen.

Sterben und Tod

Der Tod ist immer noch ein Tabu-Thema in unserer westlichen Gesellschaft. Dabei gab es noch niemanden, der diesen Teil der Lebensreise ausgelassen hat. Sich darauf vorzubereiten ist daher von essentieller Bedeutung.

In einer Zeremonie können Schamanen zeigen, wie leicht dieser Übergang möglich ist, wenn es keine Angst mehr gibt. Es können alte Pakete aus diesem Leben und eventuell aus früheren Leben ausgepackt, angeschaut und mit Hilfe von spirituellen Helfern bearbeitet werden. So wird der Übergang leichter und leichter.

Angehörige, die Sterbende begleiten vollbringen heilsame Aufgaben. Hierbei kann der Schamane ebenfalls durch Energie bringende Zeremonien unterstützen. Je besser die Seele auf ihren Weg nach Hause vorbereitet wird, desto leichter fällt es ihr im entscheidenden Moment loszulassen.

In der abschließenden Bestattungs-Zeremonie geht es um die Lebenden und um das, was der Tote ihnen hinterlassen hat.