Samhain - Wenn es dunkel wird
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Wenn es dunkel wird
Samhain – warum für unsere Ahnen das Ende des Sommers ein besonderer Zeitpunkt war und wie sie ihn feierten
Samhain - Wenn es dunkel wird
ToggleSamhain – warum für unsere Ahnen das Ende des Sommers ein besonderer Zeitpunkt war und wie sie ihn feierten
Kennst du das? Morgens ist es noch dunkel, wenn du aufstehst. Am Nachmittag zieht schon wieder die Dämmerung herauf.
Der Nebel hängt in den Tälern, die Bäume stehen kahl, und irgendwie möchtest du dich am liebsten unter einer warmen Decke verkriechen.
Unsere Vorfahren nannten diesen Monat Nebelung. Ein Name, der so viel mehr erzählt als das nüchterne „November“.
Denn der Nebel steht für den Übergang: Die Grenzen verschwimmen. Zwischen Herbst und Winter. Zwischen dem, was war, und dem, was kommen will. Und zwischen unserer Welt und der Anderswelt.
Mitten in diese Nebelzeit fällt eines der wichtigsten Feste im Jahreskreis: Samhain, das Fest der Ahnen.
Lass uns gemeinsam anschauen, was dieses Fest unseren Vorfahren bedeutet hat – und was es uns heute schenken kann, wenn es draußen immer dunkler und kälter wird.
Der Name sagt schon fast alles: Das alt-irische Wort samain bedeutet wörtlich „Ende des Sommers“ (etymonline). Mit Samhain war die Ernte eingebracht, das Vieh von den Sommerweiden geholt und der Vorrat für den Winter angelegt. Das Erntejahr ging zu Ende. Für die Kelten war Samhain der Jahreswechsel.
Und jetzt kommt etwas, das ich wunderbar finde: Bei den Kelten begann jeder Tag nicht am Morgen, sondern mit Einbruch der Dunkelheit (World History Encyclopedia).
Genauso beginnt auch das neue Jahr – in der dunklen Hälfte. Alles Neue keimt zuerst im Verborgenen. Wie der Samen in der Erde.
Samhain war eine Zeit dazwischen. Nicht mehr Sommer, noch nicht Winter. In diesem Zwischenraum, so glaubten unsere Vorfahren, wird der Schleier zur Anderswelt dünn. Die Verstorbenen konnten zu Besuch kommen, und Orakel gelangen besonders gut.
Darum war Samhain vor allem ein Fest der Ahnen. Man stellte Kerzen und Lichter auf, damit sie den Weg nach Hause fanden. Man deckte für sie einen Teller mit und dankte ihnen.
Auch das Feuer spielte eine große Rolle.
Überliefert ist, dass zu Samhain alle Herdfeuer gelöscht wurden.
Dann entzündeten die Druiden ein großes neues Feuer, und jede Familie trug eine Flamme davon nach Hause. Ein neues Licht für ein neues Jahr. Einer dieser Feuerplätze, der Hill of Ward in Irland, wurde nachweislich über viele Jahrhunderte genutzt (World History Encyclopedia).
Das Christentum hat diese alte Tradition übrigens nicht ausgelöscht, sondern überformt. Allerheiligen wurde auf den 1. November gelegt, Allerseelen auf den 2. November. Wenn du also in diesen Tagen auf den Friedhöfen die vielen Grablichter siehst, dann leuchtet darin noch immer das alte Ahnenfest.
Aus dieser Zeit stammt auch die Geschichte von Jack O’Lantern. Jack war ein irischer Schmied und ein echtes Schlitzohr.
Gleich zweimal hat er den Teufel hereingelegt, als der ihn holen wollte.
Als Jack dann starb, wollte ihn der Himmel nicht haben. Und die Hölle durfte ihn nicht nehmen – der Teufel hatte es ja versprochen.
Seitdem irrt Jack zwischen den Welten umher, mit einer glühenden Kohle in einer ausgehöhlten Rübe.
Irische Auswanderer haben die Rübenlaterne später in Amerika gegen den Kürbis getauscht. So ist unsere heutige Halloween-Laterne entstanden. Die ganze Geschichte erzähle ich dir in meinem Artikel Jack O’Lantern.
Ich mag diese Geschichte, weil sie mit einem Augenzwinkern etwas Wichtiges sagt: Wer zu gewitzt sein will und die großen Kräfte austricksen möchte, landet am Ende nirgendwo. Mit den Kräften des Universums verhandelt man nicht mit Tricks. Man begegnet ihnen aufrichtig und mit Respekt.
Viele haben Samhain schon am 31. Oktober gefeiert. Das ist völlig in Ordnung.
Wir feiern es in diesem Jahr am Neumond, am 9. November. Denn unsere Vorfahren richteten sich nicht nach dem Kalender an der Wand, sondern nach der Natur und nach der Mondin.
Der Neumond ist die dunkelste Nacht im Mondzyklus. Und zugleich ist er der Moment des Neubeginns. Genau das passt zu Samhain: Das alte Jahr geht zu Ende, und das neue Jahr beginnt – mit einer Ruhephase, statt einem Startschuss.
Stell dir das wie einen großen Atemzug vor.
Zuerst atmen wir das Alte aus. Ganz. Dann kommt eine kleine Pause, in der nichts geschieht. Und erst danach atmen wir langsam wieder ein.
Dieses Ausatmen und diese Pause brauchen Zeit. In den Tagen vor dem Neumond nimmt die Mondin ab. Das ist die beste Zeit, um innezuhalten und dir bewusst zu machen, was du mit dir herumträgst.
Dazu kommt: Wir stehen in der Skorpion-Zeit.
Und der Skorpion bleibt nicht an der Oberfläche.
Er geht in die Tiefe, oft „unter die Gürtellinie“.
Es geht jetzt nicht um die Kleinigkeiten, die uns im Alltag nerven. Es geht um das, was wirklich wehtut. Um alte Verletzungen. Um Lasten, die wir uns in diesem Jahr – oder schon lange davor – aufgeladen haben.
Darum geht es in dieser Zeit auch weniger ums Loslassen als ums Verwandeln.
Was schmerzt, verschwindet nicht einfach, nur weil wir es wegschieben. Aber es kann sich wandeln:
Im Dezember schauen wir dann noch einmal bewusst auf das ganze Jahr zurück.
Wenn es draußen dunkel und kalt wird, bleibt das nicht draußen.
Wir spüren es in uns.
Wir sind müder, langsamer, manchmal auch schwermütiger.
Die Wissenschaft erklärt es ganz nüchtern: Durch den Lichtmangel schüttet unser Körper das Schlafhormon Melatonin nicht nur nachts, sondern auch tagsüber vermehrt aus. Gleichzeitig bildet er weniger Serotonin, das unsere Stimmung im Gleichgewicht hält (Universität Leipzig via idw). Unser Körper stellt also ganz von selbst auf Winter um. Er will ruhen.
Schau dir die Natur an. Sie wirkt jetzt, als würde sie sterben.
Die Blätter fallen, die Pflanzen welken.
Doch in Wahrheit ziehen die Bäume ihre Säfte in die Wurzeln zurück. Sie sammeln ihre Kraft dort, wo sie sicher ist.
Das, was außen wie Tod aussieht, ist innen eine Zeit der Sammlung.
Und wir? Wir leben, als wäre immer Sommer. Wir sollen im November genauso leistungsfähig sein wie im Juni. Wir knipsen das Licht an und machen einfach weiter. Kein Wunder, dass uns diese Zeit oft so schwer fällt. Wir kämpfen gegen etwas an, das im Grunde natürlich ist.
Dazu kommt: Die Dunkelheit bringt Dinge an die Oberfläche.
Wenn es außen still wird, wird es innen lauter.
Erinnerungen tauchen auf, Trauer um Menschen, die nicht mehr da sind, Fragen, die wir lange weggeschoben haben.
Auch das gehört zu Samhain. Die Dunkelheit ist nicht unser Feind. Sie lädt uns ein, nach innen zu schauen.
Ein wichtiger Hinweis: Wenn deine Stimmung über Wochen gedrückt bleibt und du kaum noch Freude empfindest, dann ist das mehr als ein Winterblues. Bitte sprich dann mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Die gute Nachricht: Du musst diese Zeit nicht allein durchstehen.
Die Schleier zur Anderswelt sind jetzt dünn. Unsere Helfer in der feinstofflichen Welt und unsere Ahnen sind uns nah. Sie können uns inspirieren und stützen.
Und die dicken Brocken dürfen wir ihnen auch einfach übergeben.
Dieses Ritual kannst du in den Tagen vor dem Neumond machen. Es ist bewusst sanft gehalten. Du brauchst eine Kerze, einen Stein, der gut in deine Hand passt, und etwa 15 Minuten Ruhe.
Und wenn es dir zu viel wird: Hör einfach auf. Schon das Benennen ist ein wichtiger Schritt.
Richte dir zu Samhain einen kleinen Ahnentisch ein. Ein paar Fotos, Blumen, eine Kerze – mehr braucht es nicht.
Danke deinen Ahnen für ihr Dasein. Auch denen, mit denen es nicht leicht war. Denn ohne sie alle wärst du nicht hier.
Du musst dich davor nicht fürchten. Unsere Ahnen sind Verbündete. Wir sehen sie nicht, aber wir können sie spüren.
Den Ahnentisch kannst du stehen lassen, solange du magst. Ein ausführliches Ritual mit allen Schritten findest du in meinem Samhain-Ritual.
Nach Samhain darfst du langsamer werden. Wie die Bäume, die ihre Kraft in die Wurzeln ziehen. Ein paar kleine Ideen für deinen Alltag:
Der Baum im November zeigt uns etwas sehr Wichtiges: Er übersteht den Winter nicht, weil er sich wehrt. Er übersteht ihn, weil er tiefe Wurzeln hat.
Weil er weiß, wo seine Kraft wohnt.
Genau das wünsche ich dir auch.
Nicht nur jetzt im Nebelung, sondern für alle stürmischen Zeiten, die das Leben so bereithält.
Dafür habe ich meinen Kurs Zurück zur inneren Mitte – wie du leicht und kraftvoll durch stürmische Zeiten gehst entwickelt. Darin arbeiten wir mit dem Bild des Baumes: Wurzeln, die dir Halt geben. Ein Stamm, der dich aufrichtet. Und eine bewegliche Krone, die sich im Sturm biegt, statt zu brechen.
Bodenständig, ohne Vorkenntnisse und ganz alltagstauglich.
Das Präsenzwochenende findet am 23. und 24. Januar 2027 statt. Danach treffen wir uns weiter – online und zu den Sonnenfesten im Jahreskreis.
Einen ersten Einblick bekommst du im kostenlosen Webinar „Zurück zur inneren Mitte“.
Ich wünsche dir ein magisches Samhain. Mögen deine Ahnen dich begleiten und dir den Weg durch die dunkle Zeit leuchten.
Deine Asha
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Quellen: Etymonline – Samhain · World History Encyclopedia – Samhain · Universität Leipzig: Winterblues – Tageslicht ist bestes Gegenmittel (idw)